Lauries Leben - oder: Wie der Verein entstanden ist.
Am Anfang war der Hund, dann entwickelte sich Leidenschaft bis hin zur Verpflichtung für den Tierschutz. Auf dieser Seite wird die Geschichte der Bardina Laurie erzählt, um das Verständnis dafür zu schärfen, warum wir so arbeiten, wie wir es tun.
Diese Seite zu verfassen, zerreisst mir das Herz und füllt es gleichzeitig mit Dankbarkeit und Glück. Denn ich möchte hier die Geschichte meiner erst vor kurzem verstorbenen Hündin Laurie erzählen. Mit den wunderschönen Momenten unserer Beziehung genauso wie mit den Herausforderung (besonders in den ersten Jahren, die sie bei uns war). Denn sie hat es verdient, dass die Menschen sich an sie erinnern. Sie war der Auslöser dafür, dass in den zurückliegenden sechs Jahren fast 200 Hunde ein neues Zuhause gefunden haben. Und es werden weitere folgen.
Kapitel 1: Das erste Beschnüffeln
Es war der 12. März des Jahres 2016, an dem meine Familie eigentlich einen schönen Tag in der Lüneburger Therme verbringen wollten. Doch der Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung und so schlug ich meiner kleinen Tochter vor, endlich ein Versprechen umzusetzen und mit ihr in das Hamburger Franziskustierheim zu fahren. Wohlgemerkt: Ohne feste Absichten ein Tier mitzunehmen. Nur gucken. Meine Tochter war einverstanden und so fuhren wir nach Hamburg-Lokstedt. Im Vorfeld hatte ich bereits online einen schönen goldfarbenen Labrador gesehen, den ich mir anschauen wollte.
Unser Besuch im Tierheim begann leider mit einer Ernüchterung. Ob es am Regen lag, oder an uns: Kein Hund wollte sich uns zeigen, oder sich gar streicheln lassen. Alle verschwanden Sie aus den Zwingern in ihre Hütten, sobald wir uns näherten. Aber wir suchten ja eh' einen bestimmten Hund. Ich wollte schon nach dem Labbi fragen, als meine Tochter mir hinterherrief: "Schau mal, der hier läuft nicht weg." Direkt am Zwingergitter stand ein mittelgroßer, etwas schmächtiger schwarz gestromter Hund und bellte meine Tochter lautstark an. Wie das Schild am Gitter besagte, eine Hündin aus dem Ausland, von einer Rasse, deren Namen ich nie gehört hatte: Bardino. Ich ging an das Gitter und der Hund hörte auf zu bellen. Schaute mir in die Augen. Ein intensiver, bernsteinfarbener Blick, der mich gleich fesselte. Aber wir waren ja eigentlich wegen eines anderen Hundes gekommen und darum gingen wir zu einer Betreuerin. "Der ist leider krank, hat eine Ohrenentzündung", teilte mir die Dame mit. Die nächste Ernüchterung. "Aber vielleicht wäre ja unsere Laurie etwas für sie?" Ich sagte ihr, das wir diese Laurie gerne mal anschauen wollen. Der Name kam mir allerdings bekannt vor. Und wenige Minuten später kam die Pflegerin zurück. Neben ihr lief exakt der Hund, der uns noch kurz zuvor angebellt hatte. "Das ist Laurie," sagte die Mitarbeiterin "sie können gerne mit ihr spazieren gehen. Aber die ist nicht ohne!" Na, wenn wir schon extra aus Rahlstedt quer durch Hamburg hierher gekommen waren, dann wollten wir wenigstens eine kleine Hunderunde machen. Uns so zogen wir mit dieser Laurie los in das Niendorfer Gehege. Was sofort auffiel: Laurie strotzte vor Energie. Eifrig schmiss sie ihre dicke Rute hin und her. Die Leine war straff gespannt und meine Tochter und ich mussten schon zügig hinter dem Mädel herlaufen, ehe sie sich urplötzlich ehe sie sich urplötzlich ins Gras warf und dort minutenlang ihren Rücken schubberte. Wir mussten lachen, so eifrig rubbelte Laurie auf dem Rasenstreifen neben der Straße. Als hätte sie zum ersten Mal Gras gesehen. Woher sollten wir wissen, dass dem wirklich so war. Jedenfalls machten wir noch einen ausgiebigen und erheiternden Spaziergang durch das Gehege, bevor wir mit unserer neuen Bekanntschaft wieder zum Tierheim zurück gingen. Etwas an diesem Wesen hatte meine Faszination geweckt und so fragte ich die Pflegerin nach Details zu diesem Hund. Sie sagte mir, dass Laurie erst zwei Tage zuvor von Fuerteventura nach Hamburg gekommen sei. Zuvor habe sie fast ein Jahr in einer Perrera verbracht und sei nur wenige Tage vor der Euthanisierung von einer Tierschützerin befreit worden.
Da war sie also: Die Hündin, die von nun an mein Leben neu definieren würde. Die Pflegerin warnte allerdings: "Das ist kein Anfängerhund, die hat einen Schutztrieb". Für mich war das kein Hinderungsgrund. Schließlich durfte ich in meiner Jugend einen Dackel mein Eigen nennen und hatte seitdem immer Kontakt zu diversen Hunden in der Familie und im Freundeskreis. Für mich stand der Entschluss bereits fest: Laurie soll es sein. Und auch meine Tochter, die zunächst noch vor der bellenden Hündin zurückgewichen war, hatte Gefallen an ihr gefunden. Bevor wir aber einer Adoption zustimmen konnten, mussten wir zwei Klippen umschiffen: Meine Frau, die sich immer als ausgewiesener Katzenmensch beschrieben hatte und mein Sohn, der ihr da in nichts nachstand. So fuhren wir also mit gemischten Gefühlen nach Hause. Wie sollten wir den beiden Katzenmenschen beibringen, dass wir uns in einen Hund aus dem Ausland verguckt hatten?
Kapitel 2: Schwierige Verhandlungen
"Na? habt ihr was mitgebracht?" so die leicht provokanten Begrüßung durch den weiblichen Katzenmemschen, nach unserer Rückkehr. Erstmal die Wogen glätten, dachte ich: "Nein, natürlich nicht." Beantwortete ich die Frage mit größtmöglichem Nachdruck. "Allerdings..." fuhr ich fort "wir haben da eine kleine Hündin gesehen, die nicht uninteressant war." Nun erwartete ich eigentlich ein entrüstetes "Ich hab's gewusst".
Meine Tochter und ich schilderten das Erlebte im Tierheim und (da meine holde Gattin die bereits vorhandene Katzen ins Gespräch brachte) wir erwähnten, dass uns auch die Möglichkeit eines Probewohnens über das Wochenende eingeräumt würde. Bis dahin wolle ich sicherheitshalber noch ein-oder zweimal alleine mit Laurie Gassi gehen. Nur zur Sicherheit und umeinige Fragen in Sachen Adoption zu klären. Kurz und gut, sowohl meine Herzallerliebste, als auch unser - inzwischen nach Hause zurückgekehrter - Erstgeborener willigten ein. Allerdings noch zögernd.
In den kommenden Tagen fand ich zweimal Zeit, um mit meiner neugewonnen Bekannten ausgiebige Runden durch das Niendorfer Gehege und um Hagenbecks Tierpark zu drehen. Nach wie vor zog Laurie kräftig an der leine, aber sie kam auf Zuruf auch schon zu mir zurück. Das wertete ich als Fortschritt. Außerdem nutze ich die Wartezeit zwischen den Gassirunden um mir mehr Wissen über Bardinos anzueignen. Vor allem ein Buch einer gewissen Frau Griesand half mir da sehr weiter. Sie beschrieb ihre erste Begegnung mit einem Pedro Majorero (wie diese Hunde wirklich heißen) auf Fuerteventura und dass auch sie von dem besonderen Wesen der Hunde sofort fasziniert war. Ich habe das Buch in kurzer Zeit aufgesogen und mein Entschluss, Laurie zu adoptieren festigte sich weiter. Und so fragte ich die Pflegerin, ob Laurie zum Katzentest am Wochenende zu uns kommen könnte. Sie willigte ein und wir unterschrieben einen Betreuungsvertrag für diese Zeit.
Zurück in Rahlstedt wurde ich wieder mit skeptischem Augenaufschlag empfangen. Nach wie herrschte Skepsis bei den Katzenmenschen meiner Familie. Gattin und Sohn waren der festen Überzeugung, dass ein Hund sicher nicht kompatibel mit den Platzmietzen seien. Sie sollten sich sowas von täuschen…
Am darauffolgenden Samstag war es soweit. Ich hatte in unserem Auto eine Decke im Kofferraum ausgelegt und Laurie quer durch Hamburg nach Hause gefahren. Wie würde Sie reagieren, wenn Sie auf die Katzen trifft? Vorsichtshalber hatten wir Kater Lucky und Katze Katie zunächst im Obergeschoss einquartiert. So konnte Laurie in Ruhe durch das Erdgeschoss streifen, schnüffeln und „runterkommen“. Besonders eifrig schnüffelte sie natürlich an den für sie noch gänzlich fremden Zweibeinern. Und siehe da: Meine Frau suchte sogar gleich den Kontakt und streckte ihr Hand aus. Laurie schnupperte und ließ sich auch zögernd berühren. Um dann erstmal wieder auf Abstand zu gehen und weiter die Räume zu erforschen. Mit etwas Futter und Wasser holten wir sie wieder zu uns. Und dann entschieden wir, den entscheidenden Versuch zu wagen. Die Katzen wurden aus dem Zimmer gelassen und näherten sich zögernd der Treppe. Sie witterten, das etwas anders im haus war. Und das tat auch Laurie. Ihre Rute wedelte nun deutlich heftiger, als sie die feinen Hausbewohner erst roch und dann die Treppe hinunterschleichen sah. Katie blieb erst auf einer der oberen Stufen sitzen, während Lucky langsam aber mit Nachdruck bis fast nach unten kam. Erst auf der vorletzten Stufe setzte er sich hin, als wollte er fragen: „Wer bist Du denn?“ Die Antwort folgte jedenfalls sofort. Laurie zog - an der Leine- ein ganzes Stück auf Lucky zu und bellte dabei kurz. Auch der Kater blieb nicht stumm. Ein lautes Fauchen ertönte und sein Schwanz wurde dick. Laurie wich ein Stück zurück, und setzte sich hin. Das wars. Und mehr sollte auch nicht kommen in den nächsten Stunden. Die Katzen gingen ihrer Wege und wurden erst Stunden später wieder gesehen, als Laurie schon entspannt im Wohnzimmer lag und mit einer alten Wolldecke spielte. „Das lief ja besser als gedacht,“ sagte meine Frau.